Rita Zepf

Rita Zepf - Textil Kunst, info@textil-kunst.de www.textil-kunst.blogspot.com/, www.instagram.com/ritazepf/

Vom Augenschein der Ausstrahlung
Ein handfester Leitfaden durch die Textilbilder von Rita Zepf führt über das
Unbewusste der Bewegung hin zur Offenbarung der Körperlichkeit. Durch das Nähen
wird etwas sichtbar, das Pose oder Positur, Habitus oder Gehabe geschaut hat und
angezogen ist. In Ausdruck und Haltung berückend müssen sie sein, die Motive, die
Rita Zepf bestickend und vernähend aufscheinen lässt. Sie ist auf der Suche. Ob
Figur oder Architektur, formmächtig sind sie da in Landschaft oder Gruppe,
gebunden an die ihnen eigene Lebensordnung. Ein Straßenzug in seiner
Farbgebung taucht auf aus dem Tuch. Oder ein stiller Ort in Budapest. Innehaltende
Personen üben den Müßiggang angesichts des Nichts, das verstofft bleibt. Zwei
Gestalten, die nebeneinander gehen: Jede kann für sich sein und betritt doch
gemeinsam das textile Bild. Hier wirkt nicht allein das Festhalten der Erinnerung,
sondern umso mehr das Ebenmaß, ist Schwere und zugleich alles, was der Schwere
entgegenwirkt. Hier werden neuerdings für die genähten Figuren farbige Untergründe
gewählt. In einer Werkstatt, die unzählige bestickte Stoffstücke und ausgeschnittene
Gestalten zusammenziehen will, um dem auf die Spur zu kommen, was
Ausstrahlung heißt. Die Kunst besteht in der Entscheidung. Durchbruchstickerei,
Kreuzstich, Sashiko oder auch nur wild gestickte Umrisse? Gedrucktes und
Gefärbtes, wo wird nur mit Linien gearbeitet? Kann die Hand auch mal die frei
laufende Maschine ersetzen? Das Motiv soll sprechen. Schon das Handyfoto hat die
Bewegungsrichtung erfasst. Jetzt aber wird die Bildlosigkeit gesucht. Weg von den
Scheinbewegungen, fort von der steten Zersetzung der elementaren Gebundenheit
hin zu den schwerpunktsicheren Haltungen. Das von Rita Zepf Geschaute ist bloß
attraktiv. Das textile Bild zeigt die unverhohlene Schönheit, die zartgliedrige
Anziehungskraft der im Alltag verschüttet geglaubten Anmut.
Ines Baumgartl, Lyrikerin

Interview mit Rita Zepf im Textile Art Magazine